Was kostet Nichtstun? Der Preis der Passivität
Bei einer Abfindung denken die meisten über das nach, was sie tun könnten — welche Hebel es gibt, welche Vergünstigung sich lohnt. Kaum jemand rechnet den Gegenpol aus: Was kostet es eigentlich, nichts zu tun? Diese Zahl ist oft die überzeugendste von allen.
Passivität ist auch eine Entscheidung
„Ich lasse es einfach auszahlen“ fühlt sich neutral an — ist es aber nicht. Es ist die Entscheidung, auf jeden Optimierungshebel zu verzichten. Und die hat einen Preis, der sich aus drei Bausteinen zusammensetzt.
1. Der Steuerschock
Ohne Timing landet die Abfindung on top auf dein reguläres Gehalt — im höchsten Steuersegment. Die Fünftelregelung, die den Betrag rechnerisch glättet, wird nur über die Steuererklärung gewährt. Wer sie nicht aktiv nutzt, verschenkt sie komplett.
2. Das verlorene Arbeitslosengeld
Ein Aufhebungsvertrag mit ungünstigen Formulierungen kann eine zwölfwöchige Sperrzeit auslösen. Bei rund 1.800 € ALG I im Monat sind das schon rund 5.000 €, die einfach wegfallen. Weil sich die Anspruchsdauer zusätzlich um bis zu ein Viertel verkürzt, liegt der Verlust bei einem 18-Monats-Anspruch eher bei rund 8.500 €.
3. Die vergebene Liquiditätsplanung
Ohne Plan wird die Abfindung oft „irgendwie“ verbraucht oder auf dem Konto geparkt, während steuerlich sinnvolle Optionen — Vorsorge, Investitionsabzug, gezielte Verteilung — ungenutzt bleiben.
Ein Rechenbeispiel für Passivität
Nehmen wir eine Abfindung von 120.000 € und eine Situation, in der Fünftelregelung und Sperrzeit-Vermeidung möglich gewesen wären:
| Was verloren geht | Grobe Größenordnung |
|---|---|
| Ungenutzte Fünftelregelung | ≈ 6.000 – 12.000 € |
| Vermeidbare Sperrzeit (ALG I) | ≈ 8.500 € |
| Ungenutzte Vorsorge-/IAB-Hebel | je nach Fall mehrere Tausend € |
| Summe „Preis der Passivität“ | oft im fünfstelligen Bereich |
Illustrative, gerundete Zahlen. Der Punkt ist nicht die exakte Summe, sondern die Größenordnung: Die Kosten des Nichtstuns übersteigen den Aufwand einer Einschätzung um ein Vielfaches.
Der eigentliche Gegner ist die Zeit
Fast alle wertvollen Entscheidungen liegen vor der Unterschrift und rund um den Auszahlungszeitpunkt. Ist der Vertrag unterschrieben und das Geld geflossen, sind die meisten Hebel weg. Passivität kostet also nicht nur Geld — sie kostet vor allem den Zeitpunkt, an dem man noch hätte handeln können.
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